Gedanken zur Fastenzeit (2017): Vom Dunkel ins Licht kommen und voller Freude Ostern feiern

 

In diesem Jahr treten wir erst sehr spät mit dem Aschermittwoch am 1. März ein in die österliche Bußzeit, auch Fastenzeit genannt. Ostern feiern wir in diesem Jahr erst am Sonntag, dem 16. April, der späteste Termin für Ostern nach unserem gregorianischen Kalender. Auch dürfen wir in diesem Jahr das höchste Fest der Christenheit zusammen mit unseren Schwestern und Brüdern der Orthodoxen und Orientalischen Kirchen feiern.

 

Zu einem Geistlichen Weg auf Ostern hin lädt uns die Kirche in dieser Zeit ein. Auf diesem Weg sind wir alle zur Umkehr gerufen. Wir sollen in dieser Zeit die Gemeinschaft mit unserem Herrn Jesus Christus vertiefen, dem wir seit unserer Taufe angehören. Die österliche Bußzeit ist eine große Einladung an uns, auf unser gesamtes Leben zu schauen, nachzudenken und dem Leben eine neue Richtung zu geben, wenn wir auf unsere Beziehung zu Gott und den Menschen schauen. Möglicherweise gibt es durch das Hören auf Gottes Wort neue Impulse, wie ich als Christ in seinen Spuren gehen und so die Frohe Botschaft der Liebe Gottes zu den Menschen weitergeben kann.

 

Im Evangelium des Aschermittwochs (Mt. 6,1-6.16-18) werden drei gute Werke genannt, die die gläubigen Juden erfüllen sollten: Almosen geben, Beten und Fasten. Dies sind Haltungen, die auch noch in unserer Zeit von vielen Christen gelebt werden, besonders in der Fastenzeit. Doch wichtig ist dabei, so sagt Jesus, dass man sein Tun nicht an die große Glocke hängt. Es soll aus dem Inneren, aus dem Herzen kommen. Die guten Werke soll man nicht nach außen tragen, damit man dafür von anderen gelobt und bewundert wird, sondern sie sollen geschehen aus Liebe zu den Menschen und zu Gott. Dreimal wird betont: Dein Vater im Himmel, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

 

Die 40-tägige Vorbereitungszeit auf Ostern hat auch viel damit zu tun, dass ich auf mich und mein Inneres schaue. Gewissenserforschung betreiben bedeutet: versuchen, das besser zu machen, was ich falsch gemacht habe, wo ich gesündigt habe, aber auch dankbar auf das zu schauen, was in meinem Leben gelingt.

 

Ein Bild aus dem Evangelium des Aschermittwochs hat mich besonders angesprochen, wenn es um das Nach-Innen-Gehen geht: Zum Beten, also um mit Gott zu sprechen, soll man in die eigne Kammer gehen und sie sogar zuschließen, also ganz bei sich und mit Gott sein und sich durch nichts von außen stören lassen. Im Gespräch mit Gott kann ich auf eine Entdeckungsreise gehen und nachdenken, was Gott mit mir und meinem Leben vorhat. Dann kann neues Leben erwachsen, zum Beispiel: In der Beziehung mit Menschen, wenn ich mich nach einem Streit versöhne. Auch können neue Wege im Miteinander geöffnet werden, wenn ich zu Unwahrheiten stehe. Im Gebet, im Gespräch mit Gott kann ich Stärkung und Hoffnung für mein Leben erfahren, gerade auch dann, wenn ich mich allein und unverstanden fühle.

 

Die österliche Bußzeit will uns bewusst machen, dass ich immer wieder neu anfangen kann. Diese Zeit lädt ein, das sehr ernst zu nehmen. Diese 40 Tage geben die Möglichkeit, mein Leben und meinen Glauben, meine Beziehung zu Gott und den Mitmenschen neu in den Blick zu nehmen und zu gestalten. Dann kann ich erahnen, was es heißt, vom Dunkel ins Licht zu kommen und so voller Freude Ostern feiern.

 

Ihr Helmut Michels, Pastoralreferent

Kur- & Urlauberseelsorger in St. Stephanus Dahme und Krankenhausseelsorger in den Kliniken Neustadts

 

 

 

 

Predigt unseres Pfarrers am 21.6.2015

im Deutschlandfunk (DLF)

 

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, liebe Hörerinnen und Hörer,

 

Kennen Sie das? Sie leben Ihren Alltag, ruhig und gelassen. Alles geht seinen gewohnten Gang. Sie sind zufrieden und haben sich an den Alltagstrott gewöhnt.

Und plötzlich taucht wie aus heiterem Himmel ein Ereignis auf, das Ihr ganzes Leben aufpeitscht und Sie aus den gewohnten Gleisen wirft. Auf einmal entsteht ein Chaos, ein Durcheinander, das Leid und Angst bringt.

 

Kennen Sie das? So ein übergangsloser Schritt von der Ruhe zum haltlosen Chaos?

 

So ein Lebenssturm kann durch vielerlei ausgelöst sein: eine Wahrheit, die mir von anderen mitgeteilt wird und die die Sicherheit meines Lebens wegreißt wie einen Teppich unter den Füßen.

 

Es kann die plötzliche Gewissheit sein, dass in meinem Leben etwas falsch gelaufen ist, dass ich vielleicht überhaupt noch nicht wirklich gelebt habe.

Oder es kann eine Krankheit oder auch eine Leidenschaft sein, die ich nicht mehr unter Kontrolle bringe.

 

Es kann aber auch eine allgemeine Lebensangst sein, die heute nicht wenige Menschen befällt: Angst, weil es die frühere geschlossene christliche Gesellschaft mit ihrem festen Wertekanon nicht mehr gibt, weil alles beliebig zu werden scheint und in einem totalen Relativismus zu enden scheint; Angst vor der Globalisierung in unserer Welt, manchmal auch Angst vor dem Technologie-Fortschritt, der nicht zu mehr Kommunikation führt, sondern zu menschlicher Vereinsamung; Angst aber auch vor dem Kleinsten: der Gentechnik oder der Atomindustrie; nicht zuletzt auch Angst vor jeder Bindung, weil man niemand mehr ganz vertrauen will.

 

So ein Sturm kann durch vieles ausgelöst werden.

 

Dies ist die Erfahrung, die heute im Evangelium beschrieben wird, die Erfahrung eines Sturmes, der plötzlich alle Sicherheit auflöst und unheimlich bedrohend wirkt.

Was da geschildert wird ist den Jüngern Jesu aber auch den Menschen aller Zeiten immer wieder passiert.

 

Mitten in der scheinbaren Ruhe des Alltags kann ein solcher Sturm ausbrechen, der die schrecklichsten Ängste in uns aufwirbelt, denen wir hilflos ausgeliefert scheinen.

Mitten in unserem Alltag kann sich alles verändern, Tod und Vernichtung kann drohen für alles, was uns lieb und kostbar ist.

 

Das Meer, der Sturm auf dem Meer, sind schon immer ein Symbol für das Unbewusste im Menschen, für die verschlingenden Chaosmächte, für die Ängste gewesen.

Wenn wir diese Angst in uns spüren – was ist dann zu tun? Auf diese Frage will uns das Evangelium heute eine Antwort geben.

 

Manchen Stürmen in unserem Leben können wir nicht ausweichen. Sie erreichen uns, wühlen uns auf, treiben uns um.

 

Im Blick auf Jesus gilt es dann aber, ein Vertrauen zu lernen, dass uns alle Stürme des Lebens im Letzten nicht gefährden können.

 

Diese Zuversicht erwächst aus einer Haltung des Vertrauens, dass unser ganzes Leben mit all dem, was uns darin begegnen kann, durch den Glauben verankert ist in einer Tiefe, in der uns die Stürme des Lebens nichts anhaben können. Oftmals ergibt sich dann aus einer solchen Haltung überraschend eine Rettung oder ein Ausweg, wo eigentlich nichts mehr zu tun schien.

 

Dies ist ein Vertrauen, das aber auch die Jünger Jesu noch nicht haben, obwohl ihr geliebter Meister mit ihnen im selben Boot sitzt.

Jesus allerdings ist in dieser Situation ruhig und gelassen; er ist dies, nicht weil der Sturm ungefährlich wäre, sondern weil er sich in Sturm und Wind in Gott geborgen weiß.

„Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?“

 

Diese Frage Jesu beschönigt nichts von der gefährlichen Situation im Sturm.

Jesus sagt den Jüngern nicht: es wird euch nichts passieren. Und er sagt auch nicht, dass wir als Glaubende nicht den realen Gefährdungen unserer Welt ausgesetzt wären, auch wenn wir uns dies vielleicht manchmal erhoffen.

 

Nein, Bedrohung, Unglück und sogar der Tod gehören zum Leben von uns Glaubenden.

„Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?“ Dieses Wort Jesu lädt uns dazu ein, uns mit allem, was uns im Leben passiert in der Gegenwart Gottes zu verankern. Inmitten der Stürme unseres Lebens sind wir nicht allein. Aus dieser Sicherheit dürfen wir unser Leben gestalten.

 

Wie heißt es so schön in einem englischen Sprichwort: „Gott verspricht eine sichere Landung, aber keine ruhige Reise“.

 

Vertrauen wir in unserem Glauben auf diese Zusage!

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